Redaktionsausflug nach Temeswar

Da wir uns dieses Jahr im großen Stil mit dem Thema „PartnerstĂ€dte“ auseinandersetzen, war es nur logisch, dann auch den Redaktionsausflug in einer der fĂŒnf PartnerstĂ€dte Karlsruhes zu verbringen. Am Montag den 10. Oktober hieß es dann also: Ab zum Frankfurt Hahn Airport und auf nach Temeswar, auf nach RumĂ€nien!

FĂŒr einige von uns war alleine schon der Flug etwas sehr Aufregendes, war er doch fĂŒr manche SchĂŒler der erste Flug in ihrem Leben. So auch fĂŒr uns beide! Uns hat es sehr viel Spaß gemacht, die Welt einmal von oben zu sehen
 Nach der Ankunft sind wir mit dem Bus in die Stadt und dann zu Fuß weiter ins Hostel. Das Freeborn Hostel hatte viele gute Seiten (WLAN, Hostel nur fĂŒr uns, die Lage mitten in der Innenstadt), jedoch auch ein paar schlechte. So war es immer recht kalt und nass und muffig. Zum Duschen musste man ĂŒber den Hof in einen unbeheizten Anbau. Frau Funer, unsere aus RumĂ€nien stammende Lehrerin, war das alles zu viel und nach einer Nacht ist sie in ein Hotel umgezogen. Vorher waren wir aber noch gemeinsam „rumĂ€nisch“ essen, d.h. Krautwickel mit Kartoffeln. FĂŒr viele gab es aber auch Spaghetti oder Cordon Bleu mit lauwarmen Pommes.

Am Dienstag machten wir uns alle auf den Weg zum Deutschen Kulturzentrum. Dort wurden wir von einer der Helferinnen freundlich empfangen. Sie hat uns erzĂ€hlt, dass das Kulturzentrum vom Goethe Institut finanziert wird. Außerdem erfuhren wir, dass es sich mit der Organisation von Konzerten, Ausstellungen und Spielabenden fĂŒr Jung und Alt beschĂ€ftigt. NatĂŒrlich werden dort auch Sprachkurse angeboten, die mit Zertifikaten abgeschlossen werden können. Schnell wurde uns klar, dass die deutsche Sprache in Temeswar eine große Bedeutung hat!
Als nĂ€chstes stand fĂŒr diesen Tag noch eine StadtfĂŒhrung an. Auf Englisch. Was gerade fĂŒr uns jĂŒngeren SchĂŒlerinnen nicht immer einfach war. Wir erfuhren, dass 1989 in Temeswar der Aufruhr gegen das Kommunistische Regime begann. Aber wie kam es eigentlich zu dem Aufruhr?

Startpunkt der Revolution 1989

Ganz einfach: Die Menschen hatten es satt, unterdrĂŒckt zu werden und im eigenen Land eingesperrt zu sein. Am meisten stinkte es ihnen aber, dass sie oft unter menschenunwĂŒrdigen Bedingungen leben mussten. So kam es zu Witzen wie diesem: „Was hatten die RumĂ€nen bevor sie Kerzen benutzten? – STROM.“ Eigentlich hatten die Menschen abends gar kein Strom mehr, wenn dann aber nur mit gut GlĂŒck von 20 bis 22 Uhr. Und wenn es keinen Strom gab, gab es auch kein Licht, TV, Radio, usw. Auch nicht schön: Lebensmittel waren oft Mangelware. Dagegen kann man schon mal auf die Straße gehen – und die Menschen in Temeswar machten dies zu zehntausend. In Gedenken an die mehr als 100 Menschen, die vom Kommunistischen MilitĂ€r erschossenen wurden, hat man mehrere DenkmĂ€ler in der Stadt errichtet. Auch hat man den Platz, auf dem die Revolution ihren Anfang nahm, den Namen Victory Square gegeben, zu Deutsch: Siegesplatz gegeben hat. Auf der abwechslungsreichen City Tour erfuhren wir auch, dass im letzten Jahrtausend mehrere fremde MĂ€chte (u.a. die TĂŒrkei, Österreich-Ungarn) hier regierten. Das erklĂ€rt auch, warum es so viele kulturelle Unterschiede in Temeswar gibt – und warum so viele Menschen Deutsch sprechen. Die FĂŒhrung hat wie gesagt allen viel Spaß gemacht, unser Guide Alexandra war wirklich cool!
FĂŒr Mittwoch stand dann eine Radtour durch die Umgebung sowie der Besuch in einem rumĂ€nischen Tierheim auf dem Programm. Die Fahrradtour musste wegen des schlechten Wetters leider ausfallen. Auch wenn es nass und kalt war, hatten wir MĂ€dchen im Tierheim ein unvergessliches und schönes Erlebnis. Dort gibt es ca. 400 Hunde, hauptsĂ€chlich Straßenhunde, die wieder aufgepĂ€ppelt werden. FĂŒr diese Hunde kann man auch eine Partnerschaft ĂŒbernehmen und dem Hund einen Namen geben! Am liebsten hĂ€tten wir alle Welpen mit nach Deutschland gebracht und die anderen Hunde natĂŒrlich auch. Mehr ĂŒber das Tierheim erfahrt ihr dann auch in der Printausgabe.

Man spricht deutsch!

Am Abend sind wir dann noch in ein Theater gegangen. Es war cool, in RumĂ€nien die deutsche AuffĂŒhrung des TheaterstĂŒcks „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch zu erleben. Das Theater war sehr modern gespielt und auch sehr farbenfroh. An manchen Stellen war es jedoch auch stressig und einfach zu viel. Warum die deutsch gesprochen haben? Nun, es gibt ja wie gesagt eine deutsche Minderheit, also Menschen, deren Vorfahren vor oft vielen hundert Jahren als sog. Donauschwaben hierher auswandern mussten.

Die Bedeutung der deutschen Sprache wurde uns auch am Donnerstagvormittag klar, als wir Lenau Gymnasium besuchten. 1.500 SchĂŒler besuchen die Schule und Deutsch ist Unterrichtssprache ab Klasse 1! Wir wurden sehr nett mit GetrĂ€nken und Keksen empfangen und machten auch Bekanntschaft mit den Redakteuren der SchĂŒlerzeitung Lenau heute. Wir tauschten unsere Erfahrungen aus, Dima prĂ€sentierte dabei auch unseren schicken Blog www.ernschtle.de. Dann setzten sich die beiden Redaktionen zusammen und recherchierten gemeinsam zum Thema „PartnerstĂ€dte“.

Hier ein Paar Unterschiede zu unserer SchĂŒlerzeitung: Es ist ein viel kleineres Redaktionsteam als unseres, ihre SchĂŒlerzeitung ist um einiges dĂŒnner, erscheint dafĂŒr aber zwei bis dreimal im Jahr. In der Lenau heute erscheinen Comics und Witze genauso wie Facts und Gedichte, was wir wiederum nicht haben. Wir denken, dass der Austausch fĂŒr beide Redaktionen viele neue Ideen gebracht hat. Ganz toll finden wir, dass Diana von Lenau heute Temeswar im Ernschtle vorstellt, wir im Gegenzug Karlsruhe in ihrer Zeitung. Da das Wetter am Nachmittag immer noch nicht besser wurde, arbeiteten wir bis zum Abendessen an unseren Texten bzw. Videos weiter. Herr Goerke lobte uns dafĂŒr. Bei den RedaktionsausflĂŒgen davor wurde wohl nicht so fleißig gearbeitet


Am Freitag war leider schon wieder der Abreisetag. Die meisten freuten sich schon auf zuhause, andere wÀren wiederum gerne noch lÀnger in Temeswar geblieben, so zum Beispiel auch wir beide. Es war ein gelungener Ausflug bei dem man viele neue Erfahrungen sammeln konnte. RumÀnienist jetzt vielleicht nicht das Top-Reiseziel, es ist aber mal was völlig Anderes und gerade Temeswar auf jeden Fall eine Reise wert. Im Jahr 2021 ist es EuropÀische Kulturhauptstadt. SpÀtestens dann sollte man die Partnerstadt Karlsruhes einmal besuchen!

(Ronja und Fabienne)

Von Fabienne

Hallo mein Name ist Fabienne, Ich bin 13 Jahre alt. Ich bin erst seit diesem Schuljahr beim Ernschtle. Meine ersten Berichte habe ich ĂŒber "Das Fest" und unseren Redaktionsausflug nach TimiƟoara geschrieben. Ich freue mich darauf, viel mehr BeitrĂ€ge zu schreiben und zu veröffentlichen.