Der Leitartikel zur neuen Ernschtle-Ausgabe von Lilly Nikolai

Raus gehen, Essen gehen, Freunde treffen,… klingt alles ganz normal, doch war es jetzt ein Jahr lang nicht! Endlich öffnet alles wieder, die Normalität kehrt langsam zurück. Nach diesem Corona-Jahr darf ich endlich wieder in die Schule, meine Maske abziehen, atmen und so was wie richtige Freiheit fühlen! Ist das nun endlich der Lichtblick nach dieser langen Dunkelheit?
Letztes Jahr am Freitag, den 13. März, wurden alle Schulen geschlossen und die Schüler freuten sich auf zwei Wochen extra Ferien! Doch wir hatten alle noch überhaupt keine Ahnung wie es weiter gehen wird und bestimmt keiner erwartete so ein Jahr… so ein Jahr voll mit Schulstress wie es ihn noch nie gab. Online, alleine von zu Hause. Aber nicht nur das Schulleben wurde eingeschränkt, nein, auch das Privatleben. Freunde treffen ohne Risiken war kaum möglich und Partys oder in ein Restaurant gehen nicht denkbar. Wir alle durchlebten gemeinsam das Gleiche, doch fühlten uns trotzdem so allein.

Kinder wurden älter, ohne einmal auf einer vollen Kirmes zu stehen und Zuckerwatte zu essen, ohne ihren Lieblingsfilm im Kino sehen zu können, ohne ins Schwimmbad zu gehen und vor allem ohne ihre Freunde. Aber nicht nur jüngere Kinder litten unter den Bedingungen der Krise, auch ältere Menschen. In Alten- und Pflegeheimen durfte kein Besuch mehr empfangen werden, dadurch konnten Familien sich Monate lang nicht sehen. Auch Jugendliche hatten es schwer, man konnte seine Jugend nicht leben, keine Erfahrungen und Erinnerungen machen, nicht auf die ersten Partys gehen. Insgesamt war eigentlich einfach alles scheiße!

So oft dachte ich mir: Jetzt meine Maske abziehen, Freunde abholen und ab ins Freibad, das wäre jetzt mein größter Traum. Aber dieser Traum wurde eine Ewigkeit nicht wahr. Es hieß nur weiter schön geordnet Masken tragen und auf die nächste Coronaverordnung warten, dabei auf einen Lichtblick hoffen, der aber so lange nicht in Ausblick stand. Sogar die Hoffnung auf den Lichtblick, auf die Besserung starb nach nur wenigen Wochen und man hatte keine Motivation mehr für irgendwas.

Und dann gab es ja auch noch die Schule, die Lehrer und den extremen Druck. Man stand morgens nur noch auf um sich vor seinen Monitor zu setzen, der dich mit diesem kleinen bisschen echte Welt verband, den es noch gab. Es wurden zwar Lösungen gefunden, man konnte sich online treffen und reden und sogar zusammen Spiele spielen, aber jetzt mal ehrlich: Alles was uns das Internet bieten kann ersetzt einfach noch lange nicht mal ansatzweise die Realität, das echte Leben. Durch das Internet kann man niemanden in den Arm nehmen, man kann keinen küssen, man kann sich ja nicht mal die Hand geben. Es fühlt sich einfach nicht echt an wenn man alles nur durch seinen Monitor erfährt. Keine noch so tolle neu App kann das ersetzen, was man im Leben nun mal braucht. Wir alle brauchen unsere Freunde, unsere echten Erfahrungen, unser Leben, doch das alles war einfach nicht mehr möglich. Wir haben zwar über ein Jahr lang mit Corona gelebt, aber wir haben gelebt ohne wirklich zu leben.

Doch jetzt endlich der Lichtblick! Die Corona-Regeln werden gelockert und wir dürfen endlich wieder alle unser Leben richtig leben, in vollen Zügen. Oder zumindest teilweise. Doch keiner weiß wie es weiter geht und keiner kennt die Zukunft. Wir können alle nur hoffen, dass das Licht bis in den Herbst noch nicht erloschen ist und keine neue Dunkelheit über uns hereinbricht…

(Lilly Nikolai)