„Hat sie nicht gemacht?“ „Wallah, ich schwöre hat sie gemacht“.

Die große Bestandsaufnahme der deutschen Sprache, recherchiert von Viola, Selin und Novalee.

Immer häufiger wird behauptet, dass unsere Sprache ihre Wirkung und Gestalt verliert. Ein Wandel, der mit dem des Klimas vergleichbar ist. Wörter sind nicht mehr die, die sie es mal waren. Wo es an Inhalt und Ausdruck bei der Sprache fehlt, ersetzen heute oft Kürzel und Wortneubildungen die Kompetenz, sich auszudrücken. Die deutsche Sprache hat einen derart mächtigen und vielfältigen Wortschatz. Doch wenn es uns nicht an der Wortauswahl fehlt, woran dann? Ein scheinbar verkrüppelter Satzbau und die dazugehörige Rechtschreibung sind einer der vielen Gründe. Wieso muss Veränderung gleich negativ gesehen werden?

Unsere Sprache ist leicht und schnell verformbar, in manchen Zeiten schneller als in anderen. Es sollte uns dennoch nicht einschränken loszulassen, ein neues Kapitel zu öffnen. Schon immer gab es die Angst vor Veränderungen. Sie sorgt zwar im ersten Moment für Ungewissheit, da man Dinge entdeckt, erlebt und hört, die man zuvor nicht wusste. Unsere Sprache nimmt bis heute hin tagtäglich an ihrer Macht zu. Alleine innerhalb von 100 Jahren haben wir über eine Million neue Wörter dazu gewonnen! Gerade in unserer Zeit, in der die Digital- und Globalisierung eine wichtige Rolle spielt, ist das Wachstum intensiver denn je. Bereits unfassbare 5,3 Millionen Wörter befinden sich in unserem Wortschatz. Doch genau so schnell wie die Wörter entstehen, verschwinden sie auch wieder. Ein Beispiel hierfür ist das Wort „einpaschen“, welches so viel wie „einbringen“ bedeutet und schon längst aus dem Duden gestrichen worden ist.

Damit unsere Sprache ihre Nostalgie nicht verliert, müssen wir sie behüten. Auch wenn sich die Sprache verändert, werden wir uns immer durch Sprechen und Schreiben verständigen können. Es ist jedoch klar, dass wir niemals Generationskonflikte vermeiden können, da Jugendliche und auch Erwachsene untereinander eine eigene Redensweise zum Kommunizieren benutzen. Dies wird uns jedoch trotzdem nicht daran hindern, die Leute, mit denen man gleichzeitig lebt, verstehen zu können. Bei Texten, welche vor sehr langer Zeit geschrieben wurden, würden wir schon eher Schwierigkeiten bekommen.

Das sogenannte Kiezdeutsch ist dafür verantwortlich, dass die Jugend von heute oft nur noch Sätze wie: „Gescht du Computerraum?“ „Nö. Lass mal ALDI gehen“ von sich gibt. Dies war auch der Eindruck unserer Lehrerin Frau Veith, die solch eine Situation sogar an der PH Karlsruhe erlebt hat. Auch die arabische Sprachkultur hat in unser Deutsch Eingang gefunden wie beispielsweise „yalla“ für „Auf geht’s“ oder „Los, Los“. Im Jahr 2018 war das Jugendwort des Jahres „Ehrenmann/Ehrenfrau“, wobei es auch schon deutlich ausgefallenere Wörter gab. Auch wenn es keine Wortneuschöpfung ist, steht die Jugend voll und ganz hinter dem Wort. Denkt man zwar nicht, aber auch die Jugendsprache bereichert unser Deutsch um einiges. Durch einfache, logische und vielfältige Bezeichnungen können wir uns gut und schnell verständigen. Auch viele Netzstars verwenden gerne mal diese Begriffe.
Ist der Einfluss unserer Vorbilder womöglich der Grund des Verfalls unserer Sprache? Grundsätzlich nein, jedoch sehen tatsächlich viele Teenies, Influenzer als Vorbilder und versuchen ihre Persönlichkeit zu kopieren.

Dass Jugendliche eine eigene Sprache haben, ist nichts Neues. Schon im 18. Jahrhundert unterhielten sie sich in einem eigenen Slang. Viele von diesen damaligen „Teenie Wörtern“ gehören heute zu unserer Alltagssprache. „Es ist was los“ ist Ausdruck der Jugendsprache der 60er Jahre. Heute würden wir dafür eher „Es läuft“ sagen. „Was ist los?“ wandelte sich zu einem knappen „Was läuft?“ um.

Was für eine Rolle spielen die sozialen Netzwerke in unserer Sprache?

Die sozialen Netzwerke sind heute ein wichtiger Bestandteil in unserem Leben. Es gibt mit Abstand keinen größeren Zeitfresser als das Internet. Die meisten Unterhaltungen finden über soziale Medien wie z.B. WhatsApp oder Instagram statt. Die Angst, dass die Sprache vom Display in unsere schulische/berufliche Schreibkompetenz einfließt, ist groß, jedoch größtenteils unberechtigt. Eine neue Schreibwelt wurde ganz für sich entdeckt. Doch viele Deutschlehrer haben Bedenken, da Jugendliche in Aufsätzen immer mehr Abkürzungen verwenden, die es vorher nicht offiziell in unserer Sprache gab. Viele von diesen Konfliktträgern entstanden in der Zeit von WhatsApp und Co. Aber auch die Erwachsenen greifen immer häufiger zu Kürzeln. Selbst Smileys und Emojis tauchen immer öfters in ihren Texten, Briefen oder Nachrichten auf – selbst da, wo sie eigentlich fehl am Platz sind.

Das Handy: Ein regelrechtes Wunderportal, welches in uns die Motivation zum Lesen und Schreiben geweckt hat, aber auch ein ganz schöner Problemmacher sein kann. Während wir in unserer Freizeit Nachrichten bei WhatsApp, Posts bei Instagram und Videos bei YouTube anschauen, wird gleichzeitig auch unsere Grammatik und Rechtschreibung schlechter.
Das ist unsere Gegenwart und das wird die Zukunft von morgen sein. Briefe werden gegen Nachrichten und E-Mails eingetauscht und Zeitungen werden größtenteils nur noch als digitales Magazin gelesen. Nicht mal mehr die digitalen Nachrichten, welche als große Entwicklung galten, werden heute von allen genutzt. Stattdessen werden sie durch noch einfachere Kommunikationsmöglichkeiten wie Sprachnachrichten ersetzt. Durch diese vergeuden wir nicht so viel Zeit beim Schreiben und können innerhalb von wenigen Sekunden, manchmal auch Minuten Nachrichten teilen. So darf man sich eingestehen, dass wir die analoge Welt nutzen können, uns jedoch in der digitalen Welt zuhause fühlen. In den sozialen Netzwerken macht man sich schlau, begleitet Leute und Projekte auf ihrem Weg nach oben, entdeckt sich auf eine ganz neue Art und Weise und schlussendlich bekommt jeder einzelne den Anreiz, selbst ein Teil davon zu sein. Sie bietet uns Vielfältigkeit, Freiheiten und die Möglichkeit zur kreativen Entfaltung. Ein leeres Blatt Papier können wir weiterhin handschriftlich befüllen, jedoch gibt es mehr als das. Wenn die neuen Möglichkeiten der digitalen Welt doch nur positiver betrachtet werden würden. So könnte man das sensible Thema der Grammatik und Rechtschreibung an Schulen durchaus auch per digitaler Lernplattform vermitteln.

Aber muss hierfür wieder genauso viel Druck an die Gesellschaft aufgebaut werden, um nur das eine zu erreichen? Dies hätte garantiert zum Verfall der Menschheit geführt, schließlich hat sich der Ort Schule von Jahr zu Jahr zu einem Lernort entwickelt, an dem die Schüler immer mehr Rechte und Durchsetzungsvermögen lernen, zudem werden menschliche und soziale Werte in den Vordergrund gestellt. Die Schüler von heute haben genug Fantasie und Kreativität zum Schreiben von Berichten, Geschichten und Aufsätzen. Ihnen fehlt jedoch oft die Fähigkeit, die richtige Wortwahl zu treffen und dabei noch Satzzeichen, Rechtschreibung und Grammatik zu beachten. Für die Schüler von früher mag das vielleicht kein Problem gewesen sein. Sie hatten strikte Regeln und Anforderungen, an die man sich halten musste. Es gab nur richtig oder falsch. Dem Druck hohe Leistungen standhalten zu müssen, war eine Kunst für sich, genauso wie das damalige Schulbild. Doch was könnte denn der Grund für diesen äußerst großen Unterschied sein? Man kann durchaus davon ausgehen, dass der Verlust des Bücherlesens ein Grund für die fehlende Rechtschreib- und Ausdrucksfähigkeit ist. Als es noch keinen Fernseher oder nur drei Programme gab, hat man sich viel mehr mit der Schriftsprache beschäftigt und dadurch unbewusst immer dazu gelernt.

Oftmals sehen wir nur das, was wir sehen wollen. Es heißt, die Rechtschreibung sei schlecht, wir würden keine korrekte Grammatik beherrschen oder keine Fachbegriffe mehr können. Nein! In Wirklichkeit haben wir ein ganz anderes, viel relevanteres Problem. Leistungen, die sich verschlechtern, sind in der Hinsicht kein Verfall der Sprache. Die heutige Sprache hat eine neue Entwicklung angenommen!

Das Problem haben wir jeder Zeit mit uns im Gepäck, es ist unser ständiger Begleiter, ganz genau, es ist das Smartphone. Wir sind von all dem so vernebelt, dass uns nicht einmal mehr bewusst wird, welchen monströsen Einfluss das Handy auf uns hat. Wir alle sind genau genommen Einzelgänger, die in einer eigenen für sich geschaffenen Welt leben. Durch fehlende Zeit, die für das Handy in Anspruch genommen wird, verlernen wir, uns mit unseren Mitmenschen zu verständigen, ihnen zu zuhören und Diskussionen zu führen. Nicht einmal mehr zu Hause können wir die Finger davonlassen. Auch die Eltern unterscheiden sich hinsichtlich des Gebrauchs des Smartphones in keiner Weise von ihren Kindern. Wo doch eigentlich die Familie, ein Ort der Gemeinschaft, des Zusammenhaltes und der Gespräche sein sollte.

Einige sind der Überzeugung, das Smartphone vernichte unsere Sprache. Doch gibt es auch klare Beweise dagegen? Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2018 achten 83% der 14- bis 24-Jährigen darauf, keinen Tippfehler in den Textnachrichten zu machen. Am Ende ist es dann wohl die Mischung aus fehlender Zeit für lange Nachrichten und das digitale Zeitalter, was zu unserem heutigen Sprachproblem führt.

Doch es wird lieber über uns Jugendliche und unsere Sprache geschrieben. Es werden Gründe für den Verfall vermutet und nach einer Lösung zur Bewältigung dieser Schwierigkeit gesucht. Und mitten in diesem Verfahren stehen wir. Es kann sich ganz schön belastend anfühlen, unter solchen Umständen zu einem Teil des Problems gemacht zu werden. Man gibt sein bestes und doch passt es den Erwachsenen scheinbar immer noch nicht. Als Erwachsener hat man den Vorteil, nicht ständig auf Situationen und Regeln hingewiesen zu werden. Für Jugendliche gibt es diesen Bonus nicht. Es ist notwendig darüber zu reden. Man sollte vielmehr uns das Ganze nahebringen, als den Erwachsenen predigten darüber zu halten. Man wird das Gefühl nicht los, dass wir einer der Hauptgründe hierfür sind. Aber sollte man nicht lieber gemeinsam Lösungsvorschläge sammeln und sich gegenseitig als Stütze dienen? Mit der Jugend verbindet man heute nur noch Schwierigkeiten und viel Negatives, wo bleiben die ganzen Beiträge über das Positive, über unsere Computerkompetenzen, die vielen Zeichenkünste und in dem einen oder anderen schlummert garantiert noch kein Schreibgeist.

Die Erwachsenen sind Nachzügler. Sie wurden nicht ins digitale Zeitalter hinein geboren und doch haben sie im Internet Fuß gefasst. Sie hatten zu ihrer Zeit all das nicht und doch war es schon damals ein Thema für sie. Viele von ihnen benutzen tagtäglich Kürzel und vergessen Satzzeichen einzubauen und schreiben anschließend darüber, wie sich unsere Sprache verändert hat.

Wieso ist der Erwartungsdruck an die Jugend so hoch, wenn doch auf der Hand liegt, dass sich eine Weiterentwicklung vollzieht? Die Erwachsenen haben in ihrem Leben schon sehr viele Erfahrungen und auch Rückschläge erlebt und wollen uns die Hilfe und Vorwarnung bieten, damit ihre eigenen Fehler nicht wiederholt werden. Zumal uns eine gute Sprache im Leben vorteilhaft und wichtig erscheinen wird. Ein sehr banales Beispiel hierfür ist das Berufsleben.

Doch die Art zu sprechen verändert sich ebenso wie das geschriebene Wort. Zum Beispiel die Einführung des Kreuzes mit Sternchen in Bezug zur Genderthematik. Hierbei werden feminine oder maskuline Wörter neutralisiert. Dieses sogenannte „Gendern“ soll Respekt und Akzeptanz gegenüber Geschlechtern zeigen. Doch nicht alle sind froh darüber, denn immer mehr Bürger regen sich über den Zeitaufwand und die hierfür nötige Anpassung von Wörtern auf. Englische Wörter haben es der Deutschen Sprache angetan, so auch der Begriff „Gender“, der übersetzt Geschlecht bedeutet. Vor allem in der Öffentlichkeit, sei es Werbung, Social Media und auch in allen möglichen Musikarten sieht man Begriffe aus dem Englischen in der Mischung mit Deutsch. Wörter wie „cool“, „Kekse“ oder „Influenzer“ kommen aus dem Englischen und haben sich in unsere Alltagssprache integriert. Das sogenannte „Denglisch“ hilft uns einzelne Wörter zu lernen und beschädigt unser Deutsch keines Falls. Im Gegenteil, unsere Sprache wird bereichert. Jedoch ist dieser Prozess für ein flüssiges Englisch nicht gerade vorteilhaft. Dieser Mix führt zur Verwirrungen und Missverständnissen. Im deutschen Duden liegt der Anteil an englischen Begriffen bei unter vier Prozent, wobei ebenso weitere vier Prozent aus dem Griechischen eingewanderte Wörter sind und ganze sechs Prozent stammen aus dem Lateinischen.

Wir haben unsere Sprache, als unser kulturelles Eigentum weiterentwickelt. Wir können uns glücklich schätzen, das erreicht zu haben. Sei es in Bezug auf unser Sprachbild in der Schule, im Internet, als auch unsere facettenreiche Redeweise. Unsere Sprache besitzt einen großen Wiedererkennungswert und ihren eigenen Stil, sie ist nicht mehr nur eine Ausdrucksweise ohne weitere Bedeutung. Wir sollten trotzdem auf unsere Sprache achtgeben, indem wir versuchen möglichst viel davon Erinnerung zu behalten. Die Sprache, als Fähigkeit, kann uns im Leben weiterhelfen, jedoch sind es „nur“ Wörter, die dein Leben nicht für dich entscheiden können. Menschliche Werte und das Wissen über seine Stärken, wie man sie anwendet sind genauso viel Wert wie ein gutes Deutsch.

Text: Viola Reichel, Selin Özarslan, Novalee Fürst

Zeichnungen: Selin Özarslan