Moin, Moin
Ernschtle Interview mit dem Hamburger TV-Koch und Promi Tim Mälzer. Wir freuen uns erst mal sehr über dieses Treffen – eigentlich hätten wir Sie ja schon beim SWR Podcast Festival getroffen. Umso schöner, dass Sie heute
Ernschtle Interview mit dem Hamburger TV-Koch und Promi Tim Mälzer.
Wir freuen uns erst mal sehr über dieses Treffen – eigentlich hätten wir Sie ja schon beim SWR Podcast Festival getroffen. Umso schöner, dass Sie heute Zeit für uns haben. Sie machen ja auch einen Podcast, zusammen mit Sebastian Berggert – fast 150 Folgen inzwischen. Wen würden Sie gerne mal noch interviewen?
Das ist eine gute Frage. Ich bin jemand, der versucht, Leute eher zu verstehen, statt sie direkt negativ zu sehen. Wenn mich jemand länger beschäftigt, habe ich eher das Interesse herauszufinden, ob ich diese Person vielleicht missverstehe. Das betrifft vor allem Menschen aus der Politik, weil das ein schwieriges Thema ist, wenn man da nicht komplett drin steckt – ich gehöre da auch dazu. Mich interessiert, warum Entscheidungen getroffen werden und auf welchen Ebenen. Deshalb würde ich gerne Politiker interviewen, die schon sehr hoch tätig waren, vielleicht jetzt nicht mehr so aktiv sind, und mit etwas Abstand auf ihre Entscheidungen schauen können.
Gibt es eine bestimmte Person?
Wenn ich eine nennen müsste: Angela Merkel. Mich würde interessieren, wer der private Mensch dahinter ist und ob man das überhaupt trennen kann. Wenn man mich als Koch anschaut – ich esse privat auch anders, als ich beruflich koche. Und ich frage mich, wie das bei solchen Menschen ist.
Haben Sie einen Lieblingspodcast?
Ich höre sehr gerne Fest und Flauschig mit Jan Böhmermann und Olli Schulz. Ich schaffe es selten, alle Folgen zu hören, aber ich finde den Podcast großartig, weil er oft provokant ist, aber trotzdem zum Nachdenken anregt. Die beiden streiten auch mal, kommen aber immer wieder zurück in den Dialog. Ich finde es wichtig, andere Meinungen auszuhalten.
Wir haben ja selbst einen Podcast. Mit welchem unserer letzten Interviewpartner hätten Sie gerne eine Folge aufgenommen – Josef Hader, Sebastian Fitzek oder Lars Eidinger?
Lars Eidinger! Ich finde kunstaffine Menschen extrem spannend, auch wenn ich es selbst nicht immer schaffe, da komplett einzutauchen. Aber ich glaube, er ist wirklich „one of a kind“, ein ganz besonderer Mensch und Künstler.
Jetzt starten wir mit ein paar Kurzfragen: Buch oder Podcast?
Ein Buch. Ich bin ein Buchmensch und liebe Hardcover Bücher.
Urlaub im Norden oder im Süden?
Da ich im Norden lebe: Süden.
HSV oder St. Pauli?
70–30.
Wovor fürchten Sie sich mehr – vor Donald Trump oder vor der AfD?
Vor niemandem. Am Ende sind das Minderheiten. Ich glaube grundsätzlich an Demokratie und daran, dass wir als Gesellschaft damit umgehen können, wenn wir zusammenhalten und unsere Werte klar vertreten.
Sushi oder Pizza?
Sushi.
Bratwurst oder Bratling?
Bratwurst.
Erinnern Sie sich an Ihr erstes Gericht, das Sie alleine gekocht haben?
Ich komme aus einem Scheidungshaushalt, meine Mutter war viel arbeiten, deshalb mussten wir uns früh selbst versorgen. Ich habe mal einen wirklich schlechten Eierkuchen gemacht. Nudeln konnte ich früh. Mein erstes „richtiges“ Gericht war Hühner frikassee. das liebe ich bis heute.
Wer hat Ihnen das Kochen beigebracht?
Die Not. Ich musste früh selbst kochen. Später kam dann die Ausbildung dazu, da habe ich alles gelernt.
Ab wann haben Sie dann regelmäßig gekocht?
Mit der ersten eigenen Wohnung. Ich war der Erste im Freundeskreis mit einer eigenen Bude, und wir haben viel zusammen gekocht – auch wenn es meistens eher einfache Sachen wie Chili con Carne waren.
Wann wussten Sie, dass Sie Koch werden wollen?
Nach drei, vier Tagen in der Ausbildung. Diese Energie in der Küche – das hat mich sofort gepackt. Ich wollte ursprünglich Hoteldirektor werden, aber dann habe ich gemerkt: Das ist meine Welt.
Der Beruf gilt als stressig. Warum würden Sie ihn trotzdem empfehlen?
Ich mache den Job seit über 30 Jahren und habe oft das Gefühl, nie wirklich gearbeitet zu haben, weil ich es so gerne mache. Stress ist für mich eher negativ, wenn man etwas tun muss, das man nicht mag. Wenn man für etwas brennt, ist das anders.
Gibt es Dinge in der Gastronomie, die Sie kritisch sehen?
Nicht direkt frustrierend, aber manchmal wundere ich mich über Entwicklungen – zum Beispiel lange Schlangen für einfache Dinge wie Bagels. Außerdem finde ich, dass wir heute oft zu viel auf Aufmerksamkeit schauen und weniger auf den eigentlichen Inhalt.
Wie sehen Sie die gesellschaftliche Entwicklung?
Ich finde, wir haben viele Chancen und Möglichkeiten, schauen aber oft zu sehr auf das, was uns fehlt. Dabei leben wir in einem sehr guten Umfeld. Was mir manchmal fehlt, ist die Bereitschaft, andere wirklich zu verstehen.
Sie sind sehr bekannt – wie gehen Sie damit um, erkannt zu werden?
Das kommt auf die Situation an. In der Öffentlichkeit ist es okay, das gehört dazu. Aber privat – mit Familie oder in besonderen Momenten – wünsche ich mir einfach Ruhe.
Wie schaffen Sie es, abzuschalten?
Vor allem durch Familie. Und ich koche auch privat sehr gerne. Die Gerüche, die Farben… Außerdem male ich ein bisschen und reise viel.
Lesen Sie gerne?
Ja, aber meine Augen machen gerade nicht mehr so gut mit. Ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe, ist Watership Down von Richard Adams. Das ist eine Art Fabel mit viel Gesellschaftskritik – sehr spannend, aber auch ein bisschen traurig.
Ja, das kennen wir. Ein tolles Buch. Herr Mälzer, das war es auch schon. Vielen Dank für das nette Interview.
Sehr gerne, alles Gute euch!
(Interview: Elsa Glavas, Paula Heger und David Müller)