Als MrWissen2go kennt ihn jede Schülerin und jeder Schüler. Mirko „Drotsche“ Drotschmann produziert die besten Erklärvideos, an die 2 Millionen Follower hat er alleine bei YouTube. Erfahrt in diesem neuen Ernschtle-Interview mehr über den aus Ettlingen stammenden MrWissen2go, was er zu Putins Krieg in der Ukraine sagt und wie sehr ihn Holocaust-Vergleiche bei Querdenker-Demos nerven. Natürlich ist auch seine Liebe zum KSC ein wichtiges Thema.

Fragen und zusammengefasst von Justin und Jad. Foto: Mirko Drotschmann

Ernschtle: Hey Mirko. Schön, dass du dir Zeit für uns nimmst. Unsere Interviews beginnen wir immer mit ein paar Kurzfragen. Let’s go! Pizza,Burger oder Sushi?

Mirko: Definitiv Burger, da ich Sushi nicht mag und Pizza nur fast so gut wie Burger finde. Der Burger darf auch gerne mit Erbsenproteinpatties belegt sein, schmeckt super!

Ernschtle: Nutella mit oder ohne Butter?

Mirko: Weder noch, da ich keine Nutella esse.

Ernschtle: Punkrock, Schlager oder House?

Mirko: Schwer, da alle drei nicht wirklich meine favorisierten Musikrichtungen sind. Wenn ich mich aber entscheiden müsste, wäre es tatsächlich der Schlager.

Ernschtle: Streber oder Klassenclown?

Mirko: Irgendwas dazwischen, aber wohl eher der Streber. Das lag weniger an meinen Noten sondern eher daran, dass ich Schülersprecher und Klassensprecher war.

Ernschtle: Fußballer oder Zocker?

Mirko: Definitiv Fußballer. Ich habe sehr wenig gezockt, auch weil ich keinen leistungsfähigen Computer bzw. eine Konsole hatte.

Ernschtle: Du hast dein Abi in Ettlingen gemacht. Was waren deine Leitungskurse außer Geschichte?

Mirko: Früher hieß es Neigungsfach und da hatte ich Geschichte und Biologie.

Von der Schülerzeitung zu Logo TV und YouTube, eine beispiellose Karriere

Ernschtle: Wie lange warst du Chefredakteur in der Schülerzeitung und wie hieß sie?

Mirko: Die Schülerzeitung hieß bzw. heißt „Furunkel“. Kein besonders schöner Name aber der Gedanke in den 80er Jahren, als die Schülerzeitung gegründet wurde, war wie ein nerviges Furunkel auf dem Körper zu sein, zu nerven und kritisch alles zu hinterfragen. Ich war außerdem drei Jahre Chefredakteur an der Schülerzeitung.

Ernschtle: Was war das Spannendste, was du dort erlebt hast?

Mirko: Also es gab sehr viel spannendes, tolles. Eines z.b. war, dass wir am Wochenende bevor das „Furunkel“ herauskam, uns noch einmal zusammengesetzt haben, gemeinsam Zeit verbracht und gekocht haben. Besonders spannend fand ich, als wir einmal Pläne zu sehen bekamen, auf denen ein Zaun um unsere Schule errichtet werden sollen, so dass dort nicht mehr eingebrochen wird. Wir haben da noch nicht offizielle Stadtpläne der Stadt ans Licht gebracht, das hat für ganz schön viel Wirbel gesorgt. Am Ende wurde der Zaun dann doch nicht gebaut, auch wegen unserer Reportage.

Ernschtle: Hast du damals auch einen Promi interviewt, wenn ja welchen?

Mirko: Einen richtigen Promi nicht, aber immerhin die Oberbürgermeisterin. Später für das Stadtmagazin dann „Sido“ als ersten „echten“ Promi.

Ernschtle: Wie bist du dazu gekommen Erklärvideos zu posten?

Mirko: Das war vor etwa zehn Jahren als ich meinen Youtube-Kanal gestartet habe. Zu diesem Zeitpunkt habe ich unter anderem bei der Kindernachrichtensendung „LOGO“ mitgearbeitet und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, Dinge zu erklären, die auf der Welt passieren bzw. Hintergründe aufzuzeigen, gerade für ein junges Publikum. Da habe ich mir dann überlegt ob man sowas nicht auch im Internet machen könnte und welche Plattform sich dafür eignen würde. Dabei bin ich ziemlich schnell auf Youtube gestoßen und habe es einfach mal versucht. Impulse habe ich unter anderem durch meine Frau bekommen, da sie schon einen Kanal hatte und ich so alles kennengelernt habe, aber auch durch meinen Schwager, der Geschichte damals in seinem Abi hatte und ich ihm dabei helfen und Sachen erklären konnte. Dabei habe ich mir gedacht, wenn ich es ihm erklären kann, warum dann nicht auch anderen?

Ernschtle: Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte nahm ihren Anfang… Heute hast du fast 2 Millionen Follower! Was ist dein Lieblingsthema in Geschichte?

Mirko: Schwierig zu sagen, weil es so viele gibt. Eins meiner Lieblingsthemen ist die sogenannte Alltagsgeschichte. Also wie haben Leute vor 200 oder 2.000 Jahren ihr Essen gekocht? Wie haben sie am Tisch gesessen, was waren die Tischmanieren? Aber auch wie sie zur Arbeit gefahren sind bzw. was sie gearbeitet haben. Ganz einfache Dinge, die aber sehr viel über die Menschen in der Vergangenheit aussagen.

Aus der Geschichte lernen

Ernschtle: Gibt es einen Ort, den wir als Geschichteschüler besucht haben sollen?

Mirko: Jede/r Schüler/in sollte mal ein Konzentrationslager besucht haben und am besten eins in der näheren Umgebung damit man zum einen sieht, welche grausamen Dinge damals passiert sind, und zum anderen, dass einem klar wird, dass das ganze nicht irgendwo weit weg passiert ist sondern direkt vor unserer Haustür.

Ernschtle: Toll fanden wir in den Zusammenhang Ihr Interview mit der jährigen Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer. Was geht da durch den Kopf wenn man so einer Person zuhört?

Mirko: Das war ein sehr beeindruckendes Interview. Beeindruckt hat mich Margot Friedländer als Persönlichkeit. Die Frau ist im vergangenen Jahr 100 Jahre alt geworden und ist noch topfit, sowohl geistig als auch körperlich. Alleine das war schon beeindruckend. Es war toll wie reflektiert sie ist und von dem berichtet, was damals passiert ist. Sie spricht über das Unaussprechliche und schafft es die Zeit damals so zu vermitteln, dass wir heute noch verstehen, warum wir das Gedenken, warum wir die Erinnerung wach halten müssen. Das war definitiv eine Begegnung, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Sie hat mich mit großer Bewunderung zurückgelassen.

Ernschtle: Was hältst du in dem Zusammenhang von Menschen, die sich auf Anti-Corona-Demonstrationen mit dem Schicksal der Juden im Dritten Reich vergleichen?

Mirko: Für so etwas habe ich 0,0 % Verständnis. Und noch viel mehr: Ich werde richtig wütend wenn ich sowas sehe. Ich bin eigentlich ein entspannter Mensch. Mich kann so schnell nichts aus der Fassung bringen, außer vielleicht mal ein Stau auf der Autobahn. Aber so etwas ist für mich unbegreiflich. Dass Menschen so dreist sein können, so geschichtsvergessen, so ich-bezogen? Dass sie das unvorstellbare Leid, das die Menschen damals im sogenannten Dritten Reich erleiden mussten, vergleichen mit dem, was sie heute erleben. Das ist für mich Geschichtsrevisionismus pur und es ist für mich auch gefährlich und noch dazu ist es für mich ein Spucken auf all die Gräber der Opfer des Nationalsozialismus. Es verharmlost den Nationalsozialismus und deshalb deshalb habe ich wirklich kein Verständnis für Leute, die diesen Vergleich anstellen und versuche auch wirklich dagegen vorzugehen und dagegen zu argumentieren. 

Ernschtle: Immer wieder ist davon die Rede, dass die Demokratie in Gefahr ist, so zum Beispiel auch in USA. Glaubst du, dass sich die Gräben wieder überwinden lassen?

Mirko: Ich glaube schon. Es ist aber ein großes Stück Arbeit! Es ist viel mit Vertrauen in Politik verbunden, das verloren gegangen ist, nicht nur in den USA sondern auch bei uns. Ich glaube es kann nur gelingen, wenn die Politik mehr auf die Menschen zugeht und transparenter arbeitet und auf der anderen Seite auch offen ist für ganz grundsätzliche Schritte, ganz grundsätzliche Reformen, die dringend nötig sind.

Ganz aktuell: Der Ukraine-Krieg

Ernschtle: Glaubst du, dass Putin wieder zur Vernunft kommt?

Mirko: Das ist wirklich eine ganz aktuelle Frage. Heute ist der 27. Februar und wir sind mitten im Ukraine Krieg. Heute hat Wladimir Putin die Atomstreitkräfte in Bereitschaft gesetzt! Das sind Nachrichten, die schockieren, die mich fassungslos zurücklassen. Wir stehen gerade an einem Wendepunkt der Geschichte. Das ist eine historische Zeit, die wir gerade erleben in Bezug auf internationale Zusammenarbeit, in Bezug auf deutsche Außenpolitik, in Bezug auf das Verständnis der Deutschen zu ihrem Militär. Wie soll ein internationaler Dialog mit Russland wieder möglich sein? Schwer vorstellbar, dass Putin noch einmal bei einer internationalen Konferenz als normaler Gast geladen sein wird. Russland wird mit Wladimir Putin auf unabsehbare Zeit im Abseits stehen und das ist eine Situation, die sehr gefährlich sein kann. Putin hat immer wieder gezeigt wie unberechenbar er ist. Meine Hoffnung ist die, dass die Stimmung im Land in Russland, die ja nicht unbedingt einhellig für Krieg ist z.b. dafür sorgt, dass Wladimir Putin erkennt welche Fehler er gemacht hat und die entsprechenden Konsequenzen zieht im Sinne von einem möglichen Rücktritt einem nicht Antreten bei der nächsten Wahl. Aber ich glaube das ist momentan alles eher unrealistisch. Wenn sich die Isolation, in die Russland sich unter Putin gerade begibt, die Form annimmt, dass Putin eigentlich keine andere Möglichkeit mehr hat als das Handtuch zu werfen. 

Ernschtle: Themawechsel! Was war die letzte Serie, die du dir angeschaut hast? (kleiner Tipp von uns: Die Discounter auf Amazon Prime mit unseren nächsten Interviewpartnern Marie Blochin und Nura) 

Mirko: Wow, da habt ihr aber tolle Interviewpartnerinnen. Ich habe die Serie gesehen und war ganz traurig, dass sie nur so kurz ist. Nun hoffe ich sehr, dass bald eine zweite Staffel folgt. Nura ist natürlich auch bekannt als Rapperin und ich habe mich sehr gefreut, sie in der Serie zu sehen. Ein echtes Naturtalent, finde ich. Die letzte Serie, die ich geschaut habe, ist Ozark. Ganz aktuell schauen meine Frau und ich gerade die Miniserie Inventing Anna bei Netflix an. Ernschtle: Und was läuft gerade bei Spotify? 

Mirko: (lacht) Da laufen sehr viele Kinderlieder, weil wir zwei Kinder haben, die wollen andauernd was hören. Von den Schlümpfen das Lied „Blau“ und „Klabautermann“, ein Cover von Wellerman. Das ist ein Lied, das ganz schön ins Ohr geht.

Einmal KSC, immer KSC

Ernschtle: Wir haben gehört, dass du KSC Fan bist. An welches Spiel kannst du dich noch genau  erinnern?

Mirko: Ich war leider noch zu jung für das 7:0 gegen Valencia. Da war ich zwar schon auf der Welt aber nicht im Stadion. Ein Spiel, das mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist im positiven Sinne, ist das 5:0 gegen Borussia Dortmund am 30. April 1996. Das war mein zehnter Geburtstag und ich bin mit meinem Vater in der Kurve gestanden und habe mich unglaublich gefreut. Immerhin ist Dortmund damals Deutscher Meister geworden, das war schon was besonderes. Im negativen Sinne ist mir wie wohl jedem KSC Fan das Trauma gegen den HSV in Erinnerung, die Niederlage in der Relegation nach diesem unberechtigten Freistoß in der 90. Minute, der dann zum 1:1 geführt hat. Das war ein sehr sehr bitteres Spiel, ich war damals im Stadion und war wirklich sehr betrübt nach dem Abpfiff, vorsichtig gesagt.

Ernschtle: Du wohnst heute nicht mehr in Karlsruhe. Verfolgst du trotzdem noch was der KSC  so macht? 

Mirko: Absolut. Einmal KSC, immer KSC! Ich versuche jedes Spiel zu sehen und das gelingt mir in der Regel auch. Die Kinder schauen auch immer gerne mal mit. Im Stadion bin ich nicht mehr ganz so oft, während der Pandemie sowieso nicht, aber auch sonst ist der Weg dann doch relativ weit nach Karlsruhe. Ich verfolge die Spiele im Fernsehen. Und wenn mal ein Auswärtsspiel in der Gegend ist z.b. in Darmstadt oder Wiesbaden, dann fahre ich da mit meinem Bruder ganz gerne hin und schaue mir das mit ihm zusammen im Stadion an.

Ernschtle: Kommst du denn noch ab und zu nach Karlsruhe?

Mirko: Auf jeden Fall. Meine Familie wohnt zum großen Teil noch in Karlsruhe und Karlsruhe ist eine super Stadt.

Ernschtle: Hast du einen Lieblingsort in der Stadt?

Mirko: Gebürtig bin ich ja aus Ettlingen. Sehr schön ist auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände, in dem auch die Schule liegt, auf dich früher gegangen. Ich bin auch immer gerne an der Alb und im Eiscafe Piro. In Karlsruhe ist der Schlosspark einer der schönsten Orte. Ich bin aber auch sehr gerne in der Innenstadt unterwegs. Früher bin ich mit einem Freund zum Teil drei bis viermal die Woche in die Stadt gefahren, einfach nur um in Geschäfte zu gehen und zu gucken, welche neuen Computerspiel oder welche neuen CDs es gibt und dann wieder nach Hause gefahren, meist ohne was zu kaufen. Die Kaiserstraße hoch und runter, jetzt ja noch viel besser ohne die Straßenbahnen. Obwohl ich zugeben muss, dass ich die U-Strab noch gar nicht gesehen habe. Das werde ich aber bald nachholen. 

Ernschtle: Vielen Dank für dieses schöne Interview und die Zeit, die du für uns geopfert hast.

Mirko: Endlich konnte ich mal übern KSC sprechen, kommt ja nicht so oft vor. Ihr vom Ernschtle macht einen super Job. Nicht ohne Grund werdet ihr auch so gefeiert. Es freu mich sehr, dass ihr immer noch das Thema Schülerzeitung hochhaltet, dass ihr euch engagiert und so aktiv seid. Das ist eine ganz tolle Sache. Macht weiter so und bleibt gesund.

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